Kommentar: Acht Thesen zu Nachhaltigkeit in Zeiten von Corona. Wie Unternehmen heute reagieren.

Die Corona-Pandemie hat bei einzelnen Unternehmen ungeahnte Kreativität hervorgerufen – und dem Transformationsprozess zur Digitalisierung einen Schub gegeben. Viele Aktivitäten sind nicht aus Engagement-Strategien abgeleitet, sondern durch die Unternehmenskultur motiviert. Aber nachhaltigkeitserfahrene Unternehmen haben Vorteile: bezogen auf die Mitarbeitenden und ihr gesellschaftliches Engagement, aber auch wenn Geschäftsmodelle modifiziert und Lieferketten in den Blick genommen werden.

In einem ersten Artikel „Nachhaltigkeitsstrategien in Zeiten von Corona“ hat der Autor dargestellt, was tragfähige CSR-Strategien auszeichnet und was die Corona-Pandemie für diese bedeutet und wie sie angepasst werden müssten. In diesem zweiten Artikel ist die Vielfalt an Unternehmensengagement auf Basis der Beobachtungen und Beratungserfahrung systematisiert und Erfolgsfaktoren in acht Thesen dargelegt.

Um eine erste Einordnung vorzunehmen, wurde versucht, zunächst die Vielzahl an derzeit veröffentlichten Corona-bezogenen Aktivitäten von Unternehmen in vier Handlungsbereiche zu gruppieren: Gesellschaftliches Engagement, Anpassungen bei Geschäftsmodellen und am Markt, Digitalisierung und Arbeiten im Remote-Modus, Veränderungen in den Lieferketten. Zu jedem dieser Bereiche wurden Nachhaltigkeitsherausforderungen identifiziert, die sich aktuell oder in der mittelfristigen Perspektive für Unternehmen ergeben werden. Zudem werden Thesen postuliert, was Unternehmen für ihre eigenen Nachhaltigkeitsstrategien daraus lernen und wie sie gegebenenfalls agieren sollten.

1. Gesellschaftliches Engagement

Die Corona-Pandemie zeigt, dass eine Vielzahl an Unternehmen sehr schnell reagieren und sich in dieser Krisensituation gesellschaftlich engagieren. Dabei nutzen sie sehr unterschiedliche Wege und Ansätze.

Die Spende von Geld oder Sachmitteln für gemeinnützige Einrichtungen ist eine unmittelbare Antwort vieler Unternehmen. Die Fülle an Beispielen – quer durch alle Branchen und Unternehmensgrößen – zeigt das Selbstverständnis, mit dem angepackt und Solidarität gezeigt wird. Jägermeister schenkt dem Krankenhaus Braunschweig 50.000 Liter Alkohol für Desinfektionsmittel.[1] Der Konzern Bayer spendet Krankenhäusern in Italiens am stärksten betroffener Region, der Lombardei, eine Million Euro.[2] Volkswagen stellt Bund und Ländern 400.000 Atemschutzmasken zur Verfügung.[3] Motiviert durch die Unternehmenskultur verkündete der Vorstand der Beiersdorf AG eine 50 Millionen-Spende an gemeinnützige Organisationen.[4] Diese sollen z. B. für Initiativen gegen Vereinsamung oder häusliche Gewalt zur Verfügung gestellt werden. Die interne Reaktion der Mitarbeitenden war überwältigend und einhellig positiv.

Gesellschaftliches Engagement kann auch durch die Mitarbeitenden stattfinden, indem diese ihre Arbeitszeit und ihr Knowhow einbringen. So stellt Lufthansa Mitarbeitende mit medizinischen Kenntnissen auf Wunsch frei, damit diese sich ehrenamtlich in Krankenhäusern engagieren können.[5] Bei McDonald’s werden Mitarbeitende „verliehen“, um unsere alltägliche Versorgung sicherzustellen. Sie helfen in Aldi-Supermärkten mit, um den großen Kundenandrang zu bewältigen.[6]

Wir alle sind in unserem Alltag stark eingeschränkt und müssen lernen, mit sozialer Distanzierung zu leben. Stärker aus dem Vertrieb heraus bieten Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen entweder kostenlos oder zu Sonderkonditionen an. Die Telekommunikationsanbieter Vodafone, O2 und Deutsche Telekom spendieren ihren Kunden extra Datenvolumen[7], damit sie digital in Verbindung bleiben können. Content- und Streamingdienste wie TVnow[8], Gruner+Jahr[9] und übrigens auch einige Porno-Anbieter haben ihre Premium-Angebote derzeit kostenlos gestellt. So wollen sie uns das Zuhausebleiben erleichtern. Und vielleicht auch längerfristig neue Kunden gewinnen.

Andere Unternehmen unterstützen gezielt medizinisches Personal. Bei Sixt Share erhalten medizinische Angestellte 100 € Startguthaben.[10] Und beim Anruf-Sammeltaxi Berlkönig in Berlin ist die Beförderung in der Nacht für sie kostenfrei.