Kommentar: Acht Thesen zu Nachhaltigkeit in Zeiten von Corona. Wie Unternehmen heute reagieren.

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Die Corona-Pandemie hat bei einzelnen Unternehmen ungeahnte Kreativität hervorgerufen – und dem Transformationsprozess zur Digitalisierung einen Schub gegeben. Viele Aktivitäten sind nicht aus Engagement-Strategien abgeleitet, sondern durch die Unternehmenskultur motiviert. Aber nachhaltigkeitserfahrene Unternehmen haben Vorteile: bezogen auf die Mitarbeitenden und ihr gesellschaftliches Engagement, aber auch wenn Geschäftsmodelle modifiziert und Lieferketten in den Blick genommen werden.

In diesem ersten Beitrag stellt der Autor dar, was tragfähige CSR-Strategien auszeichnet. Konsequenzen für eine Nach-Corona-Zeit werden aufgezeigt und hiermit zur Diskussion gestellt. Im kommenden zweiten Teil dieses Beitrags „Acht Thesen zu Nachhaltigkeit in Zeiten von Corona“ wird dieses Thema durch eine Systematisierung zur erfolgreichen Verantwortungsübernahme durch Unternehmen fundiert.

Handeln aus Haltung

Die weltweite Ausbreitung des Corona-Virus hat inzwischen massive Auswirkungen auf unser Leben genommen. Staaten verhängen Ausgangsbeschränkungen für ihre Bürgerinnen und Bürger, Grenzen werden geschlossen, Gesundheitssysteme überschreiten die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Auch Unternehmen wurden und werden gezwungen, auf die veränderten Bedingungen zu reagieren und sich anzupassen. Das Umgehen mit der Krise ist dabei so vielfältig wie die Unternehmen selbst.

Aktuell ist es für Unternehmen wichtiger denn je, kurzfristig dynamisch zu reagieren und sich gleichzeitig langfristig gut aufzustellen und auf verschiedene Szenarien vorbereitet zu sein. Diese Sicht auf das Morgen und Übermorgen entspricht nicht nur dem Anspruch, den besonders nachhaltig agierende Unternehmen an sich stellen müssen, sondern ist ein Gebot der betriebswirtschaftlichen Logik.

Hinzu kommt die Kategorie der Verantwortung eines Unternehmens, der Corporate Responsibility (CR, oder auch Corporate Social Responsibility, also CSR). Bei allen Entscheidungen sollten wirtschaftliche Interessen mit den Erwartungen verschiedener Anspruchsgruppen ausbalanciert und die Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt berücksichtigt werden. Was also ist die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden, gegenüber Anteilseignern oder Geschäftspartnern aber auch bei Kundinnen und Kunden? Aus Sicht der Nachhaltigkeitsfachszene wird perspektivisch besonders interessant sein zu sehen, ob die Unternehmen, die sich seit Langem und in einem besonderen Maße zu CR oder Nachhaltigkeit strategisch aufgestellt haben, mit der aktuellen Krisensituation besser umgehen können als ihre Mitbewerber. Aber welche Erfolgsfaktoren gibt es bei Nachhaltigkeitsstrategien, die die Resilienz eines Unternehmens auch in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisenzeiten erhöhen?

Um herauszufinden, welche Rahmenbedingungen, Konzepte und Aktivitäten als Erfolgsfaktoren identifiziert werden können, sollten schon heute Forschungsetats bereitgestellt werden. Ähnlich wie bei den epidemiologischen Untersuchungen zur Verbreitung von COVID-19 haben wir jetzt eine Modellsituation, die hierzu Klarheit schaffen und vor dem Hintergrund der schmerzhaften Auswirkungen zumindest einen echten Mehrwert für künftiges Vorgehen bieten kann.

Um eine erste Einordnung vorzunehmen, wurde zunächst versucht, die Vielzahl an derzeit veröffentlichten Corona-bezogenen Aktivitäten von Unternehmen in vier Handlungsbereiche zu gruppieren: Gesellschaftliches Engagement, Anpassungen bei Geschäftsmodellen und am Markt, Digitalisierung und Arbeiten im Remote-Modus, Veränderungen in den Lieferketten. Zu jedem dieser Bereiche wurden Nachhaltigkeitsherausforderungen identifiziert, die sich aktuell oder in der mittelfristigen Perspektive für Unternehmen ergeben werden. Zudem werden Thesen postuliert, was Unternehmen für ihre eigenen Nachhaltigkeitsstrategien daraus lernen und wie sie gegebenenfalls agieren sollten. Diese themenspezifische Betrachtung sowie die Aufstellung der Thesen folgt in einem zweiten Artikel, der in den kommenden Tagen hier erscheinen wird.

Folgen für Nachhaltigkeitsstrategien

Die Digitalisierung ist in Deutschland immer wieder großes Thema politischer und gesellschaftlicher Debatten. Kein Zweifel: Die COVID-19 Pandemie gibt der Digitalisierung einen ungeplanten, aber deutlichen Schub. Es ist für Unternehmen überlebenswichtig geworden, dass sie Digitalisierung selbst vorantreiben und sich gut aufstellen. Parallel zu dieser Transformation wird auch die Diskussion um Corporate Digital Responsibility an Fahrt aufnehmen. Unternehmen müssen auf Basis bestehender Nachhaltigkeitsstrategien neue Regeln ableiten, wie sie ihre digitale Verantwortung wahrnehmen.

Eine überraschende Erkenntnis zu den Nachhaltigkeitsstrategien ist, dass die verschiedenen Formen gesellschaftlichen Engagements zu Corona sich nicht strategisch, sondern sich aus der Haltung und Wertekultur ableiten. Künftig werden Nachhaltigkeitsstrategien den Aspekt des Engagements in Krisen- und Katastrophenzeiten aufnehmen müssen. Der Bezug zu Unternehmenswerten wird dabei stärker in den Mittelpunkt rücken. Denn insbesondere in Krisensituationen erwarten Menschen ein konsistentes Gesamtbild von Unternehmensverantwortung. Bei allen Entscheidungen sollten die Auswirkungen für andere direkt oder indirekt betroffene Gruppen sorgfältig abgewogen werden.

Auch der geografische Rahmen für nachhaltiges Handeln wird umfassender. Das betrifft den Blick auf sehr lokale Auswirkungen für einzelne Mitarbeitende oder Kunden, aber auch Effekte in den verschiedenen Stufen der globalen Wertschöpfungsketten, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Dass der Erfolg eines Systems von dessen Resilienz abhängt, ist eine Erkenntnis aus der Naturwissenschaft. Bei betriebswirtschaftlicher Sicht auf ein Unternehmen hängt viel davon ab, in welchem Maße es gelingt, die eigenen Mitarbeitenden in Anpassungen einzubinden. Sie sind die Träger von Innovation und gestalten Transformationsprozesse. Zugleich sind sie die größten Kritiker von Strategien – und ihre glaubwürdigsten Zeugen. Es liegt daher im Interesse des Unternehmens, sie zu Gestaltern und Akteuren der Nachhaltigkeitsstrategie zu machen.

Dieser Artikel erscheint in erweiterter Form in Kürze auf www.umweltdialog.de. Der Nachfolgeartikel „Acht Thesen zu Nachhaltigkeit in Zeiten von Corona“ von Patricia Hartmann wird in den nächsten Tagen hier veröffentlicht.

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