Vierzehn Jahre Reputation: Ein Ausblick mit Christiane Stöhr und Dr. Norbert Taubken

Zum 14. Geburtstag von Scholz & Friends Reputation haben wir uns virtuell mit Christiane Stöhr und Dr. Norbert Taubken zusammengesetzt, die diese Nachhaltigkeitsberatung gemeinsam gegründet haben und seitdem die Geschäfte verantworten. Wir sprechen mit ihnen über aktuelle Themen im Feld Nachhaltigkeit: Welche Themen sind derzeit besonders relevant? Welche politischen Weichenstellungen stehen an? Und welche Ziele hat sich Scholz & Friends Reputation als Nachhaltigkeitsberatung für die kommende Zeit gesetzt? Beginnen möchten wir zunächst mit einem kurzen Rückblick.

Hallo Christiane und Norbert, zunächst ein kurzer Rückblick: Was war euer persönliches Highlight im Bereich Nachhaltigkeit in den letzten Jahren?

Christiane Stöhr: Mein persönliches Highlight ist die gesellschaftliche Solidarität, die in der Corona-Pandemie deutlich spürbar und sichtbar wurde. Ich war überwältigt von dem Zusammenhalt der Menschen, der insbesondere zu Beginn der Pandemie sehr stark war, sowie von dem Einfalls- und Ideenreichtum sich gegenseitig zu unterstützen und zu bestärken. Und genau das macht auch Nachhaltigkeit aus. Wir können alle Bestrebungen im Bereich Nachhaltigkeit nur gemeinsam meistern. Abgesehen von der großen Solidarität in der Gesellschaft fand ich es spannend zu beobachten, wie Nachhaltigkeitsaktivitäten nun ganz besonders auf dem Prüfstand waren. Es zeichnet sich ab, dass Unternehmen mit an Nachhaltigkeit ausgerichteten Geschäftsmodellen sehr wahrscheinlich besser durch diese Krise kommen werden. Sie scheinen für Veränderungen jeglicher Art besser gewappnet und reaktionsfähiger.

Dr. Norbert Taubken: Ein weiteres wichtiges Nachhaltigkeitsthema war zuletzt Resilienz – als Eigenschaft sowohl unserer Gesellschaft als auch von Unternehmen. In der Corona-Pandemie, die uns alle ziemlich unvermittelt erwischt hat, wurde es schnell wichtig, Krisenfestigkeit zu beweisen. Unternehmen mussten von Anfang an Verantwortung für ihre Belegschaft übernehmen und möglichst schnell wirksame Konzepte für Gesundheits- und Arbeitsschutz entwickeln und umsetzen, um Infektionsketten am Arbeitsplatz zu verhindern. Da, wo es möglich ist, wurden flexible und mobile Arbeitsmodelle wie Homeoffice eingeführt. Das sehe ich persönlich als großen Fortschritt. Die Corona-Pandemie wirkt hier wie ein Katalysator für den Weg in eine digitalisierte Arbeitswelt von morgen. Das hat auch bei Scholz & Friends sehr schnell und gut funktioniert. Wir arbeiten z. B. seit dem letzten Jahr vorwiegend von zu Hause aus. Dabei haben wir auch den persönlichen Austausch innerhalb der Teams gut digital organisieren können: Teammeetings, Onboarding neuer Kollegen aber auch Coffee- und Lunch-Dates sowie unsere Weihnachtsfeier finden inzwischen online statt. Und auch wenn wir den unmittelbaren Kontakt vermissen, stärken wir über diese Formate unseren Teamzusammenhalt. Darauf bin ich sehr stolz.

Welche Themenschwerpunkte seht ihr derzeit im Bereich Nachhaltigkeit? Für welche Herausforderungen sollten sich Unternehmen wappnen?

NT: Ich erwarte, dass das Thema Klimaneutralität für Unternehmen weiter an Fahrt aufnehmen wird. Im vergangenen Jahr haben sich bereits eine Vielzahl von Unternehmen zu diesem Ziel bekannt. Und einige Unternehmen gehen darüber hinaus und entwickeln Ansätze, um „klimapositiv“ zu werden. Dies erfordert, in den kommenden Jahren weitere innovative Klimaschutzlösungen zu entwickeln. Viele Mitbewerber dieser Klima-Vorreiter und weitere Branchen werden sich noch ambitioniertere Ziele setzen. Hier freue ich mich auf einen Wettbewerb zum Schutze des Klimas.

Darüber hinaus sehen wir bei Scholz & Friends Reputation die Stärkung von Vielfalt, Inklusion und Gleichberechtigung als zentrales gesamtgesellschaftliches Anliegen. In Unternehmen wächst das Bewusstsein über die Bedeutung von Diversität für Zukunftsfähigkeit und längerfristigen wirtschaftlichen Erfolg. Derzeit gibt es noch viele Fragen zu geeigneten Zielen und Prozesse, zur Ausgestaltung von Rahmenbedingungen sowie zur Effizienz von Maßnahmen. Diese Fragen gilt es in diesem Jahr weiter zu beantworten.

CS: Wir konnten insbesondere in den vergangenen zwei Jahren beobachten, dass das Thema Nachhaltigkeit am Finanzmarkt deutlich an Relevanz gewonnen hat. Der Markt an nachhaltigen Finanzprodukten ist zuletzt stark gewachsen und dieser Trend hält an. Auch der Grad an Regulierung der Finanzmärkte in diesem Bereich wird in den nächsten Jahren zunehmen. Auf EU-Ebene passiert hier aktuell sehr viel unter dem Stichwort Sustainable Finance. So werden in diesem Jahr mehrere Regelungen der Offenlegungsverordnung in Kraft treten. Diese verpflichten Finanzmarktteilnehmende dazu, in deutlichem Umfang ESG-relevante Informationen zur Verfügung zu stellen. Die klassischen Finanzkennzahlen allein reichen nicht mehr aus. Nicht-finanzielle Aspekte werden mehr und mehr in klassische Bewertungsinstrumente integriert, so dass sich diese ganzheitlichere Sicht in den nächsten Jahren zum Marktstandard entwickeln wird. Darauf sollten und müssen sich Unternehmen bereits jetzt vorbereiten. Aus unserer Sicht haben Finanzmarkt und Investoren einen großen Hebel, um Nachhaltigkeit voranzutreiben.

Welche politischen Neuerungen und Diskussionen könnten demnächst spannend werden und warum?

CS: Derzeit spannend ist natürlich das deutsche Lieferkettengesetz, das gerade beschlossen wurde. Auch wenn der Bundesregierung mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf vielleicht nicht der erhoffte große Wurf gelungen ist, ist die Einigung auf das Gesetz dennoch ein beachtliches Zeichen dafür, dass Menschenrechtsverletzungen in Wertschöpfungsketten international tätiger Unternehmen nicht akzeptiert werden können. Zuletzt hatten sich auch die EU-Mitgliedstaaten sowie der Rechtsausschuss des EU-Parlaments für eine europäische Regulierung ausgesprochen. An einem gesetzlichen Vorgehen führt also auch auf europäischer Ebene kein Weg mehr vorbei. Unternehmen sollten deswegen bereits jetzt tätig werden und sich darauf vorbereiten. Wir brauchen effektivere Maßnahmen zur Sicherung von Menschenrechten und mehr Transparenz in den Lieferketten. Das ist ein schwieriger und langer Prozess für Unternehmen, aber im Sinne der nachhaltigen Entwicklung und der globalen Gerechtigkeit unabdingbar.

NT: Die Auswirkungen des Green Deal der EU-Kommission werden Unternehmen auch in den kommenden Wochen und Monaten intensiv betreffen – hier gilt es vorbereitet zu sein. Die Entscheidungen über das strengere Klimaziel bis 2030, den EU-Haushalt und die COVID-19-Wiederaufbaufonds werden die Weichen stellen für die notwendige nachhaltige Transformation. Darüber hinaus wird die EU-Taxonomie einige bedeutende Nachhaltigkeitsthemen voranbringen. Die Ziele zum Aufbau einer Kreislaufwirtschaft und eines nachhaltigen Finanzwesens sollten von Unternehmen genau in den Blick genommen und für die eigene Praxis bewertet werden. Auch die geplante Reform des EU-Emissionshandels, Maßnahmen für den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien sowie für die notwendige energetische Sanierungswelle bei Gebäuden werden deutliche Auswirkungen auf das Unternehmenshandeln haben.

Außerdem steht Deutschland vor einem sogenannten „Superwahljahr“ …

CS: Das stimmt, es finden sowohl Bundestags- als auch sechs Landtagswahlen statt, die den Kurs für die kommenden Jahre maßgeblich prägen werden – insbesondere für das Feld Nachhaltigkeit. In der Regel kommt die deutsche Politik in einem solchen Jahr praktisch zum Erliegen. Im zweiten Corona-Jahr können die Parteien es sich jedoch nicht leisten, sich ausschließlich auf den Wahlkampf zu konzentrieren. Auch wenn sich alle demokratischen Parteien dazu bekannt haben, die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie entschieden vorantreiben zu wollen, wird sich zeigen müssen, ob aus den vielen Anträgen und Debatten konkretes politisches Handeln folgt.

Zu guter Letzt: Welche Ziele setzt ihr euch als Nachhaltigkeitsberatung für die kommende Zeit?

CS: Wir wollen den positiven Weg der letzten Jahre fortsetzen und gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden daran arbeiten, ihr CR-Management vor dem Hintergrund der dynamischen Veränderungen erfolgreich weiterzuentwickeln. Gerade die neuen Vorgaben auf europäischer Ebene verlangen der Wirtschaft viel ab. Hier werden wir unsere Kundinnen und Kunden tatkräftig und umfassend unterstützen.

NT: Es ist uns ein großes Anliegen, weiterhin ein breites Themenportfolio in unserer Arbeit abzubilden. Dabei haben wir den Anspruch, Nachhaltigkeit in allen Wirtschaftsbereichen effektiv voranzutreiben und unseren Kunden dabei mit der nötigen Expertise und unseren Erfahrungen zur Seite zu stehen. Wir sind gespannt auf die kommenden ereignisreichen Monate!

Vielen Dank für diese interessanten Ein- und Ausblicke in die Entwicklungen rund um Nachhaltigkeit! Wir wünschen Euch sowie allen Mitarbeitenden bei Scholz & Friends Reputation alles Gute zum Jubiläum und all unseren Kundinnen und Kunden viele gute Lösungen für die bevorstehenden Aufgaben. Auf gute Zusammenarbeit!

Dieser Beitrag ist in der März-Ausgabe unseres Newsletters „CR: Einblicke & Ausblicke“ in der Rubrik „CR & Köpfe“ erschienen. Hier können Sie alle bisherigen Newsletter-Beiträge nachlesen und sich für die nächsten Ausgaben anmelden.

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